Walther Stonet zu Gast im Bücherhaus
Ein Interview von Manuela Hahn
Herzlich willkommen im Bücherhaus, lieber Walther, ich freue mich dich heute hier begrüßen zu dürfen und dir ein paar Fragen zu stellen. Ich habe eine kleine Auswahl an Getränken und Snacks bereitgestellt: Currywurst und Brezeln, Trollinger und Berliner Weiße, natürlich aber auch Alkoholfreies, Kaffee und Kekse. Bitte bedien dich.
Jetzt zu den Fragen:
Du schreibst unter dem Pseudonym Walther Stonet. Was steckt hinter diesem Namen und warum hast Du Dich für ein Pseudonym entschieden?
Spannend, dass Du das zuerst fragst. Du bist damit nicht allein. Wenn ich lese, ist das die erste Frage. Wie immer gibt es bei mir eine Geschichte, sogar mit zwei Kapiteln. Das „Walther“ ist mein Redakteurskürzel in Mannheimer Morgen und Rhein-Pfalz gewesen. Während des Studiums war ich freier Regionalreporter. Der Vorname ist übrigens fast zehn Jahre älter als das Internet.
„Stonet“ ist ein Ehrentitel, den mir die Redaktion einer Literaturzeitschrift gegeben hat. Wer die Buchstaben ein bisschen wirft, kommt rasch darauf, dass sich dahinter „Sonett“ versteckt. Diese Gedichtform ist meine große Poesie-Leidenschaft. Es gibt sogar einen ganzen Sonettband von mir, und in jeder Lesung gibt es zur Auflockerung Kriminalsonette auf die Ohren.
Deine Kriminalromane um Graf Brühlsdorf spielen im Südwesten Deutschlands. Was macht diese Region für Dich als literarischen Schauplatz so besonders?
Als ich – im Gespräch mit meiner Mutter – den Helden meiner Krimis ausgeheckt hatte, wusste ich, dass er an den Tübinger Halbhöhenlagen eine Villa hat, von der er aus ins Neckartal schauen kann. Er muss außerdem über ziemlich große Geldmittel verfügen, damit mein Konzept aufgeht.
Ich bin ja ab und an in Tübingen und kann die Villa vor mir sehen.
In Deinen Werken sind aktuelle Themen wie Cyberkriminalität und Digitalisierung sehr präsent. Wie bringst Du Dein IT-Wissen in Deine Romane ein? Und was hältst du als Autor und ITler von der sogenannten KI?
Das mit der Dramatisierung technischer Themen, vor allem wenn sie Dinge betreffen, die stofflos, also das Gegenteil von handfest, sind, stellt mich immer wieder vor neue Herausforderungen. Ich habe durchaus verschiedene Mittel gewählt und hoffe sehr, dass mir dieses kleine Kunststück immer wieder gelingt.
Brühlsdorfs Team gebraucht die KI in ihren Spielarten, als wäre das selbstverständlich. Die Kripo ist bei Weitem noch nicht so weit, und das liegt auch am Rechtsrahmen, der dem Privaten mehr Rechte einräumt als der Polizei. Wenn Journalisten Terroristen mit einer Bild-KI finden können, die die Kripo gesetzlich nicht verwenden darf, dann ist etwas nicht in Ordnung.
Was unterscheidet Deine Brühlsdorf-Krimis von anderen Regionalkrimis?
Weil sie keine sind? Nun, das stimmt natürlich nicht. Sie sind schon sehr schwäbisch eingefärbt. Manche der Nebenrollen basieren auf Menschen, die in der Region leben oder gelebt haben. Über Tübingen und die Region Tübingen-Reutlingen-Stuttgart sowie Hohenzollern weiß ich sehr viel, und das kann man auch immer wieder nachlesen.
Allerdings reichen die Krimis stets über die Region hinaus. Auch das ist Absicht. Die Cybergefahr ist nichts Regionales. Sie ist weltumspannend – genau wie das Verbrechen.
Du schreibst nicht nur Krimis, sondern auch Lyrik, Essays und Science-Fiction. Wie gelingt Dir der Wechsel zwischen den verschiedenen Genres?
Dafür gibt es kein anderes Rezept als Tun und Üben. Wenn ich in den Flow komme und ein Thema habe, geht das sogar parallel. Das heißt, ich schreibe einen Brühlsdorf-Krimi, ein paar Sonette, einen Essay über die KI und einen SF-Roman nebeneinanderher.
Gibt es einen Moment in Deiner bisherigen Autorenlaufbahn, der Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Mein erster Verlagsvertrag hat mich sehr berührt.
Wie erlebst Du die Resonanz Deiner Leserinnen und Leser? Gab es Rückmeldungen, die Dich besonders bewegt haben?
Mich erstaunt immer wieder, wie unterschiedlich auf die Bücher reagiert wird. Auf Lesungen und Messen gelingt schließlich auch der für mich wichtige persönliche Kontakt. Bisher war dieser überwiegend positiv, aber ich habe dennoch viel aus der Rückkopplung lernen dürfen. Wenn man schreibt, ist man im Tunnel. Nie weiß man genau, ob ein Manuskript oder ein fertiges Buch am Ende gelingt oder nicht.
Du bist Herausgeber des Online-Magazins „zugetextet.com“. Wie wichtig ist Dir die Förderung junger Literatur und der Austausch mit anderen Schreibenden?
Zugetextet.com ist etwas Besonderes, weil es Blog und Print vereint. Gerade arbeiten die Redaktion und ich an der Bewertung der letzten Ausschreibung „Glauben versus Wissen“. Wir sind gespannt, mit welchen Texten – Prosa und Lyrik – uns die Autorinnen und Autoren überraschen werden.
Anschließend kommt der Polly-Preis (Preis für politische Lyrik) dran, bei dem über 500 Einsendungen mit bis zu drei Gedichten auf uns warten. Das wird ein hartes Stück Arbeit.
An welchen Projekten arbeitest Du gerade, und worauf dürfen sich Deine Leserinnen und Leser in Zukunft freuen?
Der vierte Brühlsdorf „Chiemsee Morde“ ist in der Zielgeraden. Der Umschlag steht. Jetzt kommt die finale Korrekturrunde. Im Herbst wird er erscheinen. Der Buchhandel und die großen Player werden ihn führen.
Ebenfalls fertig ist eine Krimi-Satire in drei Teilen, die in meiner Heimatstadt spielt. Sie durchläuft gerade die nötigen Korrekturen und das Lektorat. Natürlich schreibe ich außerdem an mehreren Projekten. Ein weiterer SF-Band wird demnächst begonnen werden, und der fünfte Brühlsdorf nimmt langsam Formen an. Schließlich entsteht der erste Band einer Cosy-Crime-Reihe. Wie dieses Konzept aufgenommen werden wird, bin ich wirklich sehr neugierig.
Und zu guter Letzt: Welche Frage wolltest du schon immer beantworten, es hat sie aber noch niemand gestellt?
Wann schläfst du eigentlich?
(Ich bin noch voll berufstätig und führe zwei Dienstleistungsunternehmen, habe Frau, Kinder, Enkel und Streuobstwiesen. 😊)
😂 Mit der Frage habe ich ja nun überhaupt nicht gerechnet.
Ich danke dir für deinen Besuch und wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen Büchern und weiteren Projekten.
Hier seht ihr die bisher erschienen Bücher um den Kriminalhauptkommissar a.D. Graf Brühlsdorf.
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Meine Rezension zum 1. Band, Tatort Glashaus, findet ihr hier.